Prolog

Der Zuschauerraum verdunkelt sich, die Scheinwerfer gehen an. Eine Person begibt sich in die Mitte der Bühne. Sie bleibt stehen, wendet sich uns Zuschauenden zu und schweigt. Es passiert nichts. Wir betrachten die Person in gespannter Erwartung. Was wird gleich geschehen? Wird eine andere Person hinzukommen? Wird sich ein Gespräch entwickeln? Wird sich die Bühne verändern? Werden Kulissen nach unten schweben, wird ein ganz anderer Raum entstehen? Welche Geschichte erwartet uns? Werden wir uns amüsieren? Stille. Nichts! Warum steht diese Person einfach nur da und sieht uns an? Sieht sie etwa mich an? Aber warum ausgerechnet mich und niemand anderen? Oder scheint es nur so und sie sieht knapp an mir vorbei? Lächelt die Person? Lacht sie uns aus? Nein, sie lächelt. Vielleicht wartet sie. Ja, sie erwartet eine geliebte Person oder freut sich auf etwas, das gleich eintreten wird, von dem wir Zuschauenden noch nichts wissen, aber hoffen, es gleich erleben zu dürfen. Oder ist das Lächeln gar kein Lächeln? Huscht da nicht sogar ein Hauch von Enttäuschung oder sogar Trauer über das Gesicht? Hat sich die Körperhaltung verändert? Nein. Es passiert nichts. Die Person steht auf der Bühne, spricht nicht, geht nicht, singt nicht, tanzt nicht. Sie steht nur da. Mit ihrer bloßen Anwesenheit löst sie etwas in uns aus, öffnet Assoziationsräume und zieht uns in ihren Bann. Was mag währenddessen in ihr vorgehen? Wie reagiert sie auf unser Lachen, auf unsere Ungeduld oder auf die Stille? Gespannt erwarten wir, was gleich geschehen wird …

Liebes Publikum, in jedem Augenblick eines Theaterabends sind wir alle Teil des Spiels. Ihre Offenheit und Neugier machen es möglich, immer wieder überraschende Theatermomente zu kreieren, neue Ausdrucksformen zu entwickeln und sie gemeinsam zu erleben. Seien Sie gespannt auf alles, was uns in dieser Spielzeit erwartet. Ich freue mich auf Sie!

Ihr Thomas Braus

Ministerium für Kultur und Wirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
WDR3
Eine Gesellschaft der Stadt Wuppertal